Fiktives Gespräch zwischen Friede Springer und Mathias Döpfner
Wundern Sie sich dieser Tage auch über die Berichterstattung in der Springerpresse? Vor allem die Bild am Sonntag erweckt mit ihrer jüngsten Ausgabe geradezu den Eindruck als würde sie nicht mehr dem CDU-nahen Axel Springer Verlag angehören, sondern TAZ und Frankfurter Rundschau links überholen zu wollen.
SPD-Chef Franz Müntefering darf im Interview mit der aktuellen BamS glänzen und ganz ungeniert auf die Kanzlerin eindreschen. Nicht nur das, auch die beiden Reporter stellen sich mit ihrer Frage eher auf Seiten des SPD-Politikers. Kostprobe: "Doch niemand hat sich in der Krise mehr um Jobs gekümmert als die SPD und ihr Kandidat Frank-Walter Steinmeier, die Kompetenz liegt aus Sicht der Bürger aber bei Kanzlerin Merkel und ihrem Wirtschaftsminister zu Guttenberg." Hierbei handelt es sich nicht um eine Aussage Münteferings, sondern um die der beiden Bild am Sonntag-Reporter Michael Backhaus (immerhin stellvertretender Chefredakteur) und Angelika Hellemann. Weiter im Text. Auf Seite eins der gleichen Ausgabe gibt es unter dem BamS-Logo einen Anriss "Merkel an den Orten ihrer Kindheit". Auf den Seiten 10/11 wird der Leser oder mehr noch der Betrachter mit einem großformatigen Foto von der Kanzlerin erschlagen. Das Lächeln von Merkel wirkt gequält, die Augen bleiben kalt und die Hände sind die einer alten Frau. Nur zur Erinnerung fünf Seiten vorher ein Foto von Müntefering, welches den SPD-Chef als zupackenden, besonnenen Grandsigneur erscheinen lässt. Der kraftvolle Münte und die alternde Angie – größer könnte der Kontrast nicht sein. Um es dann noch vollends auf die Spitze zu treiben, zeigt die BamS auf den Seiten 26/27 Vera Lengsfeld im extrem tiefausgeschnittenen, knallroten Kleid, was eher zu Marilyn Monroe passen würde, als zu einer ehemaligen Bürgerrechtlerin aus der DDR, die zur CDU konvertiert ist. Zu guter Letzt bleibt da noch der vermeintliche Skandal im Hause Tiefensee um Steuerverschschwendung beim Neubau der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Anders als sonst üblich schafft es der Tiefensee-Skandal nicht einmal auf die Titelseite. Und noch einmal reiben wir uns verwundert die Augen. Ja, das ist die Ausgabe der Bild am Sonntag vom 16. August 2009, knapp sechs Wochen vor der Bundestagswahl, ja die BamS gehört nach wie vor zum Springer-Verlag.
Die Lektüre der BamS hat den Autor dieser Zeilen ermuntert ein fiktives Gespräch zwischen Springer-Vorstand Mathias Döpfner und Verleger-Witwe Friede Springer wiederzugeben.
Wir schicken voraus, dass Friede Springer Patentante von Döpfners Kindern ist und nach Angaben von Wikipedia auch Mitglied der CDU.
Ob das Gespräch im Hause Springer oder bei den Döpfners stattfindet, ist für den Inhalt ohne Belang.
Friede Springer: Ach Mathias, wir müssen reden.
Mathias Döpfner: Aber sicher Friede. Stimmt es, du möchtest mit mir über Angela reden.
Friede Springer (nickt): Tja, in letzter Zeit bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob es gut für uns und unser Land ist, dass Angela Kanzlerin ist.
Mathias Döpfner: Ich habe da auch so meine Zweifel. Sie macht derzeit alles andere als eine gute Figur. Von Führung keine Spur. Ihre Minister machen was sie wollen und auch dieser Seehofer in Bayern läuft ihr zunehmend aus dem Ruder.
Friede Springer: Aber was soll ich denn machen? Ich kann ihr doch nicht die Freundschaft kündigen. Schließlich bin ich doch auch in ihrer Partei.
Mathias Döpfner: Die Freundschaft musst du ihr ja nicht gleich kündigen, aber die Kanzlerschaft könntest du ihr schon nehmen. Ich finde wir haben auch was Besseres verdient.
Friede Springer: Aber mir fällt außer mir keine Frau ein, die in der Lage wäre den Job zu machen.
Mathias Döpfner: Ich verstehe dich nur zu gut, aber muss es schon wieder eine Frau sein? Ich meine, es gibt doch auch kluge Männer.
Friede Springer: Ja, aber die meisten klugen Köpfe sind nicht in der CDU, sondern in der SPD. So wie der Schröder damals. Der hat mir gefallen.
Mathias Döpfner: Stimmt. Aber der Steinmeier ist auch nicht schlecht. Ein wenig spröde vielleicht und längst nicht so charismatisch wie der Schröder. Aber ich bin mir sicher: "Der kann Kanzler."
Friede Springer (kichert hinter vorgehaltener Hand): Ach Mathias, ich sehe, du verstehst mich. Du weißt also, was zu tun ist.
Mathias Döpfner: Natürlich Friede! Du wirst sehen, es geht am Ende für uns alles glatt.
Friede Springer: Aber versprich mir, dass du dem Kai kein Haar krümmst.
Mathias Döpfner (seufzt): Keine Sorge, solange der Diekmann sich an unsere Absprachen hält, wird ihm nichts geschehen.
Plötzlich steht eine Haushälterin mit dem Telefon im Salon.
Die Haushälterin: Alfred Neven DuMont wünscht sie zu sprechen.
Friede Springer (lacht erleichtert): Nur gut, dass es nicht der junge Neven ist. Und in den Hörer: Hallo Alfred, was verschafft mir die Ehre?
Alfred Neven DuMont: Ich grüße dich, Friede. Schön, dass wir mal wieder telefonieren können.
Friede Springer: Aber Alfred, du rufst mich doch nicht an diesem herrlichen Sonntag an, nur um mit mir über alte Zeiten zu plauschen. Was hast du auf dem Herzen?
Alfred Neven DuMont: Es ist vor allem die Merkel. Sie darf unter keinen Umständen Kanzlerin bleiben. Und da dachte ich…
Friede Springer (tut zunächst ganz empört): Alfred, du wagst es mich am Sonntag zu stören und willst dann auch noch, dass ich mit Angela breche?
Alfred Neven DuMont: Friede, ich habe keine andere Wahl. Seit ich die Zeitungen in Berlin gekauft habe, wird mir mehr und mehr klar, dass das so nicht weiter gehen kann.
Friede Springer: So ungern ich dir recht gebe, aber es stimmt. Angela ist zwar eine gute Strippenzieherin, wenn es um ihre eigene Karriere geht, aber das allein reicht nicht, um eine gute Kanzlerin zu sein.
Alfred Neven DuMont (noch ganz perplex): Du meinst? Soll das heißen, du stimmst mir zu?
Friede Springer: Ja, auch wenn es mir nicht leicht fällt.
Alfred Neven DuMont: Na, dann bin ich ja beruhigt.




