Jurks Abgang mit Augenmaß

Offener Brief an Thomas Jurk
Lieber Thomas Jurk,

oft habe ich Sie in den vergangenen Monaten für Ihr Verhalten in der Causa Tillich kritisiert. Dann kam die Zeit, in der ich Sie mehrfach aus nächster Nähe erleben durfte. Heute haben Sie aus dem Wahlergebnis bei der Landtagswahl in Sachsen die Konsequenz gezogen und ihren sofortigen Rücktritt vom Amt des Parteichefs erklärt. Dafür möchte ich Ihnen an dieser Stelle ausdrücklich meinen Respekt aussprechen.
Es ist längst nicht selbstverständlich, dass ein Politiker in diesen Tagen eine Niederlage so offen eingesteht und bereit ist, dafür die Verantwortung zu übernehmen. Damit habe ich heute eine Seite von Ihnen kennen gelernt, die mir vorher unbekannt war. Ich gebe gerne zu, dass Sie damit in meiner Achtung gestiegen sind.

Ich glaube Ihnen, dass Sie sozialdemokratische Politik in Sachsen nicht um der Macht, sondern um der Sache Willen gemacht haben und hoffentlich auf Ihre Art auch in Zukunft machen werden. Die Sozialdemokratie in Sachsen kann auf Menschen wie Sie unmöglich verzichten. Auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass Ihnen bei dieser Wahl Ihre Menschlichkeit zum Verhängnis geworden ist.

Aber auch das ist eine Erkenntnis. Offenbar sind wir in Sachsen allesamt noch nicht so weit, unsere eigenen Interessen einen übergeordneten Ziel unterzuordnen. Trotzdem bedarf es gerade auch in dieser Zeit Menschen wie Sie, die uns immer wieder helfen auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren.

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