Bundespolizei leitet Ermittlungen ein
Dresden. Neonazis prügelten am 14. Februar offenbar nicht nur an Raststätten in Thüringen und Sachsen, sondern wie erst jetzt bekannt wurde auch in einem Regionalzug. Nach Angaben der Landtagsabgeordneten Liane Deicke (SPD) wurde eine junge Frau, die nicht von den Rechtsextremen fotografiert werden wollte, geschlagen und gemeinsam mit ihren Begleitern regelrecht aus dem Zug geworfen.
Die Gruppe Jugendlicher war auf dem Heimweg von der Antineonazidemonstration "Geh-Denken" in Dresden als Rechtsextreme begannen offensichtlich Andersdenkende im Zug zu fotografieren. Als die junge Frau aus Jena sich dagegen zur Wehr setzen wollte und ihr weitere Personen, darunter ein Tauchaer Jugendstadtrat zur Hilfe kommen wollten, schlugen die Neonazis auf die Frau ein. An der nächsten Haltestelle in Priestewitz im Landkreis Meißen wurden die verletzte Frau, ihre Begleitung sowie der junge Mann aus Taucha von den Neonazis regelrecht aus dem Zug geworfen.
Als der Sprecher des Jugendparlaments in Taucha und Juso-Vorsitzende von Nordsachsen Nico Wesser ebenfalls eingriff, wurde auch ihm von den Rechten der Ausstieg an der nächsten Haltestelle nahegelegt. Wesser hatte sich allerdings zuvor schon mit dem Rest seiner Gruppe darauf verständigt, an der nächsten Haltestelle in Nünschritz auszusteigen, um weiteren Angriffen aus dem Weg zu gehen.
Die Landtagsabgeordnete und SPD-Kreisvorsitzende von Nordsachsen Liane Deicke zeigt sich über die Attacke entsetzt: „Dieser Vorfall ist ein eindeutiges Zeichen für die offenkundige Intoleranz, den Hass und die Gewaltbereitschaft der Rechtsextremisten. Es ist alarmierend, mit welcher Selbstverständlichkeit Neonazis in der Öffentlichkeit gegen Andersdenkende vorgehen“, so die SPD-Politikerin. Gleichzeitig kritisiert Deicke das Management der Sicherheitskräfte. „Es kann nicht sein, dass in den Zügen nach den Demonstrationen in Dresden nicht ausreichend für Sicherheit gesorgt wurde. Bei Fußballhooligans ist das schließlich auch üblich.“
Nach Angaben der Bundespolizei ist der Fall bisher nicht bekannt, es lägen auch noch keine Strafanzeigen vor. Die Polizei will nun von sich aus ermitteln. Dabei soll auch geprüft werden, ob der Zug von Bundespolizisten gesichert wurde.
