Sanierungsexperte zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt
Dresden/München. Die Qimonda-Pleite und ihre Folgen: Das Amtsgericht in München hat heute Mittag den Sanierungsexperten Michael Jaffé (wurde bekannt durch die Sanierung der Kirch Media AG) zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Der Chiphersteller hatte am Morgen wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden müssen. Weltweit bangen rund 12000 Mitarbeiter um ihre Jobs, davon alleine 3200 in Dresden.
Derweil ist in der sächsischen Landespolitik ein Streit darüber entbrannt, wer die Verantwortung für das Scheitern des vor Weihnachten geschmiedeten Rettungsplanes trägt. André Hahn, Chef der Linksfraktion im Dresdner Landtag: „Jetzt rächt sich die wochenlange Hinhalte-Taktik von Staatskanzlei und CDU-Landtagsfraktion.“ Anstatt schon Ende letzten Jahres ein eindeutiges Signal zu senden, dass der Freistaat Sachsen den Erhalt von Qimonda und damit letztlich auch des Mikroelektronik-Standortes in Dresden mit Landesmitteln und Bürgschaften unterstützen wird, sei vor allem die CDU-Fraktion dem um eine tragfähige Lösung bemühten Wirtschaftsminister Jurk (SPD) in völlig unverantwortlicher Weise in den Rücken gefallen und habe die notwendigen Entscheidungen des Parlaments blockiert.
Ähnlich äußert sich Grünenchefin Antje Hermenau und lobt gleichzeitig das Krisenmanagement des Wirtschaftsministers Thomas Jurk (SPD): „Ich konnte mich in den letzten Wochen mehrfach davon überzeugen, dass im sächsischen Wirtschaftsministerium alles für die Rettung von Qimonda getan wurde.“ Leider, so Hermenau weiter, erhielt Jurk nicht immer die volle Unterstützung der sächsischen CDU. Es sei unverständlich, dass die Christdemokraten selbst ein so brisantes Thema zum Gegenstand parteitaktischer Auseinandersetzungen mit ihrem Koalitionspartner SPD machten.
Völlig anders sieht das CDU-Fraktionschef Steffen Flath. Er schiebt den schwarzen Peter nach Brüssel: „Ich hätte mir mehr Hilfe von der Europäischen Union gewünscht. Leider wurde offenbar in Brüssel die Bedeutung des Dresdner Chipindustriestandortes für Europa nicht erkannt.“ Und Sven Morlok, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion meint: „Leider war Infineon nicht bereit, einen angemessen Anteil zur Rettung seiner Tochterfirma Qimonda zu leisten. Immerhin hat uns die Insolvenz davor bewahrt, 262 Millionen Euro der sächsischen Steuerzahler in ein Fass ohne Boden zu werfen.“
Sowohl CDU und FDP fürchten ebenso wie Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich keine weitreichenden Folgen für den Wirtschaftsstandort Dresden. Tillich: „Der Mikroelektronikstandort Dresden ist viel mehr als die Summe seiner Teile und der einzelnen Unternehmen.“ Ganz so entspannt zeigt sich Wirtschaftsminister Jurk nicht: „Wir werden alles tun, um die Möglichkeiten zu nutzen, die sich durchaus auch in einem Insolvenzverfahren ergeben“, kündigte Jurk Unterstützung auf dem weiteren Weg an.
Der vorläufige Insolvenzverwalter wird sich in den nächsten Tagen zunächst einen Überblick über die Situation bei Qimonda verschaffen. „Wir gehen davon aus, dass wir unseren Geschäftsbetrieb mit Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters sowie unserer Mitarbeiter im Sinne unseres Restrukturierungsprogramms fortführen können“, sagte Kin Wah Loh, Vorstandsvorsitzender der Qimonda.


