Stolpersteine erinnern in Döbeln an Schicksal der Juden

Zweite Woche gegen Antisemitismus eröffnet
Döbeln. „Mit den Worten Israels wollen wir beten für die ermordeten Juden, die keine Nachkommen hinterlassen konnten“, sagte Pfarrer Stephan Sigmund in Döbeln am Sonntag im Gedenken an die Pogromnacht am 9. November 1938. Rund 40 Leuten hatten sich an der Bahnhofstraße 51 eingefunden, wo einst die jüdische Familie Gutherz ihr Haus hatte. Davor glänzen zwei erneuerte Stolpersteine, die von Vandalen herausgerissen worden waren. Sie erinnern an das Schicksal von Helene und David Gutherz. Anschließend eröffnete Alexander Vogt vom Treibhaus Verein im Café Courage die zweite Aktionswoche gegen Antisemitismus mit einer Gesprächsrunde.
Werner Träscher, der schon seit seiner Geburt am 01.10.1926 in Döbeln lebt, erzählte wie er die Juden und die Unterdrückung derer als Kind miterlebt hat. Durch seine Worte wurde die Erinnerung lebendig: „Immer Freitags kam der Kaufhausbesitzer Georg Kariel mit seinem großen grünen Wanderer mit roten Polstern und nahm uns Kinder mit bis zum Oberfriedhof. Dort gab es noch ein Tütchen Bonbons ehe er nach Dresden weiter fuhr. Und als Dr. Langgange bei einem Juden einkaufte stand es am nächsten Tag in der Zeitung.“

Michael Höhme, Gymnasiallehrer am Lessing Gymnasium, berichtete von einem fächerübergreifenden Projekt zum Thema „Geschichte der Juden in Döbeln“. Erst im Februar hatte er ein letztes Telefonat mit der Überlebenden Ruth Grasshoff geborene Glasberg, die in Malmö (Schweden) lebte. Kurz vor ihrem Tod habe sie ihm versprochen, dass sie ihm ein Fotoalbum aus der Zeit vor 1938 leihweise zukommen lassen wolle. Dies geschah nun durch ihre Tochter. Erst vor drei Tagen hat er dieses kostbare Zeitdokument erhalten. „Anhand dieser Familiengeschichte kann man die Zuspitzung der Judenverfolgung ziemlich genau nachvollziehen“, so Höhme. Die Brüder von Ruth Grasshoff waren in Sachsenhausen bzw. Auschwitz ermordet worden.

Eva Perlitzius, Zeitzeugin aus der Oberlausitz, erlebte die Nazizeit ebenfalls als Kind und sprach gestern vom mangelndem Widerstand. „Das Potential des Unheils war größer als der Widerstand“. Sie rief dazu auf nicht weg zu sehen. Vor allem junge Leute sollten jetzt alle Möglichkeiten des friedlichen Widerstandes gegen ein erneutes Wiedererstarken der Nazis wahrnehmen.

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