Schriftrolle wurde von Christen gespendet
Chemnitz. Die erste neue Thorarolle in Ostdeutschland wird am Sonntag in Chemnitz geweiht. Das Allerheiligste der Synagoge wurde nach Angaben der Jüdischen Gemeinde von Bürgern der Stadt gespendet. Die neue Thorarolle ist dringend erforderlich, da die Jüdische Gemeinde nur über vier verschlissene Rollen verfügt.
Gemeindevorsitzende Ruth Röcher erklärte, diese seien nicht mehr gesetzmäßig im Sinne der jüdischen Religion. Ohne Thora könnten aber keine Gottesdienste und Feiertage begangen werden. Die Anschaffung der hebräischen Schriftrolle mit den fünf Büchern Mose sei nur dank einer Spendeninitiative des Chemnitzer Superintendenten Andreas Conzendorf möglich geworden.
Die Schriftrolle hat ein ehemaliger Religionsschüler aus Chemnitz, der jetzt als Thoraschreiber in Israel arbeitet, in Jerusalem ausgesucht. Dem Brauch entsprechend, wird sie am Sonntag mit dem letzten Vers aus dem fünften Buch Mose vollendet. Für das Schreiben wurden verdienstvolle Männer der Gemeinde, unter ihnen der ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden in Sachsen, Siegmund Rotstein, ausgewählt.
Die Spende von evangelischen Kirchgemeinden in Chemnitz betrug rund 26 500 Euro. Das Unrecht und Verbrechen gegenüber den Juden in Deutschland von 1933 bis 1945 sei für ihn ein ganz starkes Motiv gewesen, das Geld zu sammeln, so Conzendorf. Er freue sich, dass die Gemeinde diese Handreichung angenommen habe.
Die Jüdische Gemeinde Chemnitz ist seit der Wende von einem Dutzend auf derzeit rund 650 Mitglieder gewachsen. Sie besteht laut Röcher zu 98 Prozent aus Migranten. Viele von ihnen hätten keine feste Arbeit. Insofern sei die Gemeinde zu arm, sich neue Thorarollen zu leisten.
