Die Angst vor der Angst

Ohne Zweifel befindet sich die Welt in einer ihrer heftigsten Finanzkrisen seit der Weltwirtschaftskrise 1929. Die Erinnerung an diese, die letztlich mit zu Hitlers Machtergreifung und damit zum 2. Weltkrieg führte, ruft besonders in Deutschland bei vielen Menschen Angst hervor. Aber wir sollten uns jetzt auch nicht verrückt machen lassen.
Kein Kunde eines deutschen Finanzinstitutes hat bislang seine Spareinlagen verloren, und es wird auch niemand seine Einlagen verlieren. Natürlich hat es einen Absturz der völlig überhöhten Aktienkurse gegeben, aber der Dax liegt noch immer über dem Durchschnitt des Jahres 2003. Und er steigt wieder. Erste Gewinner dieser Situation sind jetzt schon diejenigen, die Geld und Nerven genug besitzen, in diesen Tagen in Aktien zu investieren. Die großen Staatsfonds aus Russland, China, Indien oder einigen arabischen Staaten tun das gerade ziemlich geräuschlos.

Die große Weltwirtschaftskrise von 1929 wird sich nicht wiederholen, weil die internationale Politik diesmal alles tut, um eine solche zu verhindern. Im Gegensatz zu den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts pumpen die Zentralbanken Geld ohne Ende in die Wirtschaft, um sie am Laufen zu halten. Und die Realwirtschaft, die 1929 weltweit am Boden lag, läuft weiterhin gut. Deutschland ist heute ein starkes Wirtschaftsland, das mit den zweifellos auftretenden „Schleifspuren“ der Finanzkrise fertig werden wird.

Auch weil das Fundament des wirtschaftlichen Handelns in Deutschland die Industrie und damit die reale Wertschöpfung ist. Im Gegensatz dazu leben die USA und Großbritannien vor allem von den Geschäften der Finanzmärkte. Wenn diese jetzt – durch eigenes Verschulden – in der Krise sind, wäre es töricht, wenn sich Deutschland an der Rettung ausländischer Banken beteiligen würde. Wir bezahlen so schon für die Fehler des US-dominierten Finanzsystems mit einer Abschwächung der Konjunktur – obwohl diese nicht erst mit dem Höhepunkt der Finanzkrise eingesetzt hat und durchaus auch noch andere Gründe hat.

So ist eigentlich die Angst vor der Angst und panischen Reaktionen der Bankkunden viel begründeter, als die Angst vor den Folgen der eigentlichen Finanzkrise. Denn wenn jeder einzelne Sparer irrational handelt und jetzt sein Geld abhebt, dann führt das natürlich ins kollektive Verderben. Keine Bank der Welt wäre in der Lage, all ihren Gläubigern gleichzeitig ihr Geld auszuzahlen. Dann wäre jedes System der Einlagesicherung total überfordert und letztlich auch die „Garantieerklärung“ der Deutschen Bundesregierung praktisch wertlos. Schließlich geht es um 1600 Milliarden Euro, die deutsche Sparer derzeit auf ihren Konten haben – das siebenfache des jährlichen Bundeshaushaltes.

In sofern sind Rettungspakete, Bürgschaften und Garantieerklärungen auch vertrauens-bildende Maßnahmen und als solche auch sinnvoll.

Die Finanzkrise ist letztlich ein Ergebnis ineffizienter Regulierungssysteme, die den Banken entschieden zu viele Freiheiten gegeben haben. Damit muss jetzt Schluss sein, sonst werden diese – mit den Staatsgarantien im Rücken – zu noch waghalsigeren und riskanteren Geschäftsmanövern verleitet als bisher. Über die Folgen möchte ich dann nicht mehr nachdenken müssen.

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