Forscher aus Halle rechnen in fünf Jahren mit ersten Medikamenten
Halle/Leipzig. Wissenschaftler aus Sachsen und Sachsen-Anhalt haben nach eigenen Angaben erfolgreich einen neuen Ansatz zur Behandlung von Alzheimer getestet. Forscher um den Biochemiker Hans-Ulrich Demuth von Biotechnologie-Firma Probiodrug AG aus Halle entwickelten einen Wirkstoff, der die Krankheit zumindest im Tierversuch stark verlangsamen und sogar stoppen kann.
„Wir halten das für einen Durchbruch“, sagte Demuth bei MDR-Info. Im Tierversuch habe man die Alzheimer-Symptome so behandelt, dass man fast von Heilung sprechen könne. Nach Angaben von Steffen Roßner vom Paul-Flechsig-Institut für Neuroanatomie der Universität Leipzig baute das Mittel in den Tests die alzheimertypischen Ablagerungen im Gehirn um 80 Prozent ab. „Das heißt, wir konnten mit den giftigen Ablagerungen gleich alle anderen Ablagerungen mit verringern."
Wie Dirk Montag vom Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg berichtete, zeige der Wirkstoff außerdem keine Nebenwirkungen. Vielmehr seien die Gedächtnisleistungen im Vergleich zu den unbehandelten Kontrolltieren gestiegen. Dies sei im Rahmen eines relativ schlechten Tiermodells ein „phänomenales Ergebnis".
Die Forscher hatten für Alzheimer typische Ablagerungen in den Gehirnzellen untersucht. Dabei entdeckten sie ein bis jetzt unbekanntes Enzym, das den besonders gefährlichen Teil der Ablagerungen verursacht, die letztlich zum Absterben der Zellen führen. Mit diesem Wissen entwickelten die Experten einen Wirkstoff, der genau dieses Enzym blockiert. Damit wurden weitere Ablagerungen verhindert und die bestehenden sogar reduziert.
Erkrankte profitieren aber noch nicht von dem neuen Mittel. Die Wissenschaftler rechnen nach eigenen Angaben frühestens in fünf bis sechs Jahren mit einem Medikament, das bei Menschen eingesetzt werden kann. Demuth zufolge wird die „Generation, die heute 30, 40, 50 Jahre alt ist, definitiv etwas von dieser Entwicklung haben."
