Viel Lob für RAF-Film

"Der Baader Meinhoff Komplex" startet am 25. September
Berlin. Bernd Eichinger und Uli Edel reckten die Fäuste in die Höhe. Einen ersten Erfolg hatten der Produzent und der Regisseur schon für sich verbuchen können, bevor ihr mit Spannung erwartetes RAF-Drama «Der Baader Meinhof Komplex» überhaupt seine Premiere feierte. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass der Film als deutscher Beitrag ins Rennen um die Oscar-Nominierungen geht. «Noch haben wir das Ding nicht in der Hand», rief Eichinger am Dienstagabend im Mathäser Filmpalast ins Premierenpublikum. «Es ist noch ein langer Weg.»
Bei seiner Uraufführung in München stieß das zweistündige Politdrama über die Rote Armee Fraktion (RAF) ebenfalls auf ein positives Echo. Viel Applaus gab es vor allem für die Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck und Johanna Wokalek, die in dem Film die RAF-Terroristen Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin spielen. Eine beklommene Stille herrschte zunächst während des Abspanns – nach einem Kinostreifen, der die Geschehnisse der Jahre 1967 bis 1977 in teils drastischen Bildern der Gewalt schildert.

«Es ist ein sehr intensives Erlebnis. Ich bin ein bisschen geplättet», zeigte sich etwa Schauspieler Götz Otto beeindruckt. Verleger Florian Langenscheidt sprach von einem großen Werk. «Hier wird nichts mystifiziert. [...] Ich glaube, dass ganz, ganz differenzierte Geschichten erzählt werden in der gebotenen Kürze», sagte er.

Ein großes Lob gab es zur Premiere auch vom Sohn des ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, Jörg Schleyer. Seine anfänglichen Zweifel seien mit jeder Szene weiter ausgeräumt worden. «Ich sehe die Terroristen, die für den Tod meines Vaters verantwortlich sind. Brillant gespielt, kalte Killer mit kranken Ideen», urteilte Schleyer.

Der Film nach dem gleichnamigem Buch von Ex-«Spiegel»-Chefredakteur Stefan Aust beginnt mit den Studentenprotesten und dem Tod von Benno Ohnesorg 1967. Er endet mit dem Selbstmord der RAF-Häftlinge Baader, Ensslin und Jan-Carl Raspe in Stammheim sowie der Ermordung Schleyers 1977 auf dem Höhepunkt des Terrors im «Deutschen Herbst». Das Drama beschäftigt sich vor allem mit der ersten Generation der RAF, schildert packend deren Radikalisierung mit Sprengstoffanschlägen und Attentaten, die Verhaftungen, den Prozess in Stammheim und die brutalen Anstrengungen der zweiten RAF-Generation um Brigitte Mohnhaupt (gespielt von Nadja Uhl), um ihre Freilassung zu erzwingen. Beeindruckend sind die Leistungen der Darsteller.

Im Mathäser Filmpalast kamen zur Premiere viele von ihnen zusammen, unter ihnen Heino Ferch, Jan Josef Liefers, Hannah Herzsprung und Bruno Ganz. Martina Gedeck betonte: «Ich glaube, dass der Film zeigt, was es war – ein schreckliches Blutbad und eine Sackgasse.» Das Härteste seien für sie die Dreharbeiten in Stammheim gewesen. «Es ist etwas seltsam, wenn man mit Wohnwagen und dem ganzen Stab im Gefängnishof steht und weiß, dass dort Leute hinter Gittern sind und schreien, sie haben sehr viel geschrien», schilderte Gedeck.

Buchautor Aust, der als Berater an dem Film mitgewirkt hat, ist mit dem Ergebnis zufrieden. «Ich glaube, es hat sich bisher noch nie jemand so viel Mühe gemacht, wie wir sie uns gemacht haben», betonte er mit Blick auf andere Filme zum Thema RAF. Bruno Ganz, der den damaligen Präsidenten des Bundeskriminalamtes Horst Herold spielt, zeigte sich derweil zuversichtlich, dass der Film im Oscar-Rennen durchaus Chancen hat. «Das müsste die Leute weltweit interessieren», hob Ganz hervor.

«Der Baader Meinhof Komplex» läuft am 25. September bundesweit in den Kinos an.

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