Über den Umgang mit der Bild-Zeitung
Die Bild-Zeitung berichtet in Ihrer Dienstagsausgabe darüber, wie die kleine Michelle in Leipzig ermordet wurde, und bricht damit angeblich ein Tabu. „Ermittler entsetzt über Berichterstattung“ schreibt Spiegel Online naserümpfend. „Ermittler entsetzt über Bild-Bericht zu Michelle“, titelt die Netzeitung. „Boulevard-Blatt bricht Nachrichtensperre“, heißt ein Beitrag von MDR 1 Radio Sachsen. Alle zeigen auf die vermeintlich böse Bild-Zeitung.
Doch die geheuchelte Empörung ist nicht mehr als ein Feigenblatt, um selber über das Verbrechen und vor allem die von Bild veröffentlichten Details zu berichten. Immer schön mit dem Hinweis versehen, dass die Polizei beziehungsweise Staatsanwaltschaft in Leipzig den Bild-Bericht weder bestätigen noch dementieren wollte.
Den Machern geht es im Grunde um nichts anderes als der Kaufzeitung aus dem Springerkonzern: Sie wollen Auflage machen, Klicks generieren oder Hörer gewinnen. Das ist an sich nichts Schlimmes. Immerhin geht es letzten Endes bei allen ums Geld. Und jüngste Ergebnisse der Medienforschung zeigen eben, dass gerade boulevardeske Themen besonders gerne konsumiert werden. Das trifft auf sämtliche Medien zu – egal ob Hörfunk, Fernsehen, Print oder TV.
Um allen Missverständnissen vorzubeugen, es geht nicht darum hier jemanden an den Pranger zu stellen. Aber ein wenig nüchterner und ehrlicher dürften wir Medienmacher vor allem im Umgang mit uns selbst schon sein.
