Der Wirtschaftsminister plant die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken. Politiker von CDU, CSU und FDP sowie die großen deutschen Energiekonzerne wollen den Wiedereinstieg in die Atomkraft. Dabei wird immer wieder auf die Sicherheit deutscher Atomkraftanlagen hingewiesen.
Aber gerade in den letzten Wochen haben Bilder vom Endlager Asse II mit rostenden Fässern voller Atommüll und eindringendem Wasser diese Behauptung ad absurdum geführt. Der Bundesumweltminister spricht von der derzeit größten Gefahr, die von einer europäischen Atomanlage ausgeht.
Asse II sollte beweisen, dass Atommüll in einem Salzstock, abgeschirmt vom Grundwasser, trocken und für die Ewigkeit gelagert werden kann. Die Ewigkeit dauerte gerade einmal 40 Jahre. Jetzt dringt an die Öffentlichkeit, dass seit Jahren Wasser und salzhaltige Laugen in die Kammern des Bergwerkes eingetreten sind und radioaktiv verseucht wurden. Damit steht erneut fest, dass es bis heute keine technische Lösung für eine sichere Entsorgung und Endlagerung radioaktiver Abfälle gibt.
Aber auch in modernen Atomkraftwerken treten weltweit fast täglich Fehlfunktionen und Unfälle auf. Im französischen Tricastin kam es erst im Juli 2008 zu einer Kontaminierung von 100 Mitarbeitern mit radioaktivem Material. Vor einem Jahr gab es Störfälle in den deutschen Kernkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel, die eklatante Sicherheitsmängel sichtbar machten. Letzteres ist seitdem abgeschaltet. Die Sicherheit von Atomkraftanlagen ist nach wie vor nicht gewährleistet. Wer das Gegenteil behauptet lügt.
Dazu kommt, dass Atomstrom teurer ist, als jener von Kohle- und Gaskraftwerken, und die weltweiten Uranvorräte nicht länger reichen, als die Vorräte an Erdöl. Es gibt also keinen Grund für die Politik, den langfristigen Ausstieg Deutschlands aus der Atomkraft rückgängig zu machen. Dem Druck einzelner Energiekonzerne, mit dem längeren Betrieb abgeschriebener Anlagen „Kasse“ zu machen, sollte sie widerstehen. Denn eines ist auch sicher, ob mit oder ohne Atomkraftwerke , die nächste Strompreiserhöhung kommt ohnehin.
