Kurt Beck ist weg – er verschwand gewissermaßen durch die Hintertür. Ein Abgang mit Symbolcharakter. Selten hat ein Vorsitzender der Sozialdemokraten so glücklos regiert wie der Pfälzer. In den gut zwei Jahren seiner Amtszeit ist die SPD zu einer Chaostruppe verkommen. Vor allem das ungeklärte Verhältnis zu den Linken sorgte bei führenden Genossen zunehmend für Verstimmung. Spätestens seit der verhängnisvollen Wahl in Hessen wusste auch der Letzte bei der SPD: Beck bekommt seinen Laden nicht in den Griff. Die ungeklärte Frage der Kanzlerkandidatur sorgte zusätzlich für Irritationen.
Zumindest in dieser Frage herrscht seit Sonntag Klarheit: Außenminister Frank-Walter Steinmeier soll für die Sozis als Kanzlerkandidat ins Rennen gehen. Steinmeier gilt als Architekt der Agenda 2010 und genießt in weiten Teilen der Bevölkerung einen ausgezeichneten Ruf. Er ist derzeit neben Franz Müntefering der einzige Sozialdemokrat, der Bundeskanzlerin Angela Merkel gefährlich werden könnte. Wie sehr die CDU Steinmeier fürchtet, zeigen die hektischen Reaktionen aus dem Lager der Kanzlerinnen-Partei. Man fürchte um Steinmeiers Tätigkeit als Bundesaußenminister, spricht von einer Doppelbelastung.
Doch die eigentliche Überraschung des Tages ist die Rückkehr Franz Münteferings an die Spitze der SPD. Mit Münte zücken die Sozialdemokraten ihren besten und wohl auch ihren einzigen Joker. Wenn einer das Format hat die Partei aus der Krise zu führen, dann der einstige Vizekanzler und Vorvorgänger von Beck. Müntefering ist längst nicht nur der treue Parteisoldat, als der er immer gehandelt wird. Er ist auch der einzige, der die zerstrittene Partei einen kann.
