Späte Razzia bei Ex-Vorständen der Sachsen LB

28 Objekte in Deutschland und Irland durchsucht – Kritik von Nolle
Leipzig. Durchsuchung bei den ehemaligen Vorständen der Sachsen LB: Insgesamt 28 Objekte in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Berlin und Dublin wurden am Dienstag von Ermittlern auf den Kopf gestellt. Neben den Privatwohnungen kamen die Fahnder auch in die Leipziger Zentrale der heutigen Sachsenbank. Gegen die Ex-Manager wird wegen des Verdachts der Untreue und unrichtiger Darstellung in den Jahresabschlüssen ermittelt.
An der Großrazzia waren neben Beamten von Bundeskriminalamt und Landeskriminalamt auch Fahnder der örtlichen Polizeidienststellen beteiligt. Sie beschlagnahmten Geschäftsunterlagen, den Schriftwechsel, Computer und elektronische Datenträger. Die Auswertung werde längere Zeit in Anspruch nehmen, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Leipziger Staatsanwaltschaft und des BKA.
Das Verfahren wurde bereits im Oktober 2007 eingeleitet. Gegen ehemalige Vorstandsmitglieder der Sachsen LB wird wegen des Verdachts der Untreue und Unrichtiger Darstellung in den Jahresabschlüssen ermittelt.
Die landeseigene Bank hatte sich in den Jahren 2006 und 2007 über die in Irland ansässigen Zweckgesellschaften Ormond Quay Funding plc und Georges Quay Funding I Ltd. an von der Sachsen LB Europe gemanagten Finanzgeschäften, die im zweiten Halbjahr 2007 ein Volumen von über 23 Milliarden Euro aufwiesen, beteiligt.
Es besteht der Verdacht, dass die ehemaligen Vorstände durch die von ihnen mitgetragene erhebliche Ausweitung der Geschäfte, für die die Landesbank letztlich die Mithaftung übernahm, unter Berücksichtigung der nur beschränkten Eigenkapitalausstattung die Existenz der Bank aufs Spiel setzten. Das im Rahmen der Engagements von den Managern eingesetzte fremde Vermögen stand zum eingegangenen Risiko und zum erstrebten Gewinn außer Verhältnis. Da sie zudem die aus den Geschäften naturgemäß resultierenden Marktrisiken und die in diesem Zusammenhang übernommene Haftung nicht offen in das Risikomanagement und die Jahresabschlüsse der Bank einstellten, verhinderten sie ein rechtzeitiges Eingreifen des Verwaltungsrates. Der Tatvorwurf steht in engem Zusammenhang mit den Auswirkungen der Immobilienkrise auf dem US-amerikanischen Markt.
Die existenzgefährdende Liquiditätskrise, in die die Sachsen LB durch die Geschäfte geraten war, konnte nur durch die Gewährung einer Liquiditätshilfe von 17,1 Milliarden Euro durch den Sparkassen-Sicherungsfonds abgewendet werden.
Die zum 26. Oktober 2007 in die Landesbank Sachsen AG umgewandelte Sachsen LB wurde zum 01. April 2008 von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) übernommen. Sie firmiert nunmehr unter dem Namen „Sachsenbank" als unselbstständige Anstalt der LBBW in Leipzig.
Der Vorstand der Sachsenbank hat der Staatsanwaltschaft nach Bekanntgabe der beabsichtigten Maßnahmen die umfassende Unterstützung und Kooperation bei der Aufklärung des Sachverhalts zugesichert.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Karl Nolle kritisierte die Durchsuchungen. Nach seinen Worten kämen diese viel zu spät.

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