Am letzten Wochenende weilte ich mit den Chemnitzer Leichtathleten bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg. Diese Stadt wurde 1933 von den Nationalsozialisten zur „Stadt der Reichsparteitage“ ernannt. Auf einem solchen wurden hier 1935 die „Rassegesetze“ verkündet.
Ich nutzte die Gelegenheit, die im Umfeld des Nürnberger Frankenstadions (heute Easy-Credit-Arena) noch vorhandenen baulichen Hinterlassenschaften des Reichsparteitags-
Geländes und vor allem das 2001 eröffnete Dokumentationszentrum zu besuchen.
In ihrem monumentalen Größenwahn erschreckend die nicht fertiggestellte Kongresshalle,
ein riesenhafter Torso und das größte erhaltene Relikt der Herrschaftsarchitektur des „Dritten
Reiches“ in Deutschland. Hier sollten 50 000 Menschen an den Kongressveranstaltungen teilnehmen können, die jeweils während der einwöchigen Reichsparteitage abgehalten wurden.
Das ehemalige Zeppelinfeld, die große Straße oder die mit Wasser gefüllte Baugrube des geplanten 400 000 Zuschauer fassenden „Deutschen Stadions“ zeigen noch heute wie auch die Architektur in den Dienst von Machtdemonstration und Propaganda gestellt wurde.
Das überzeugend gestaltete Dokumentationszentrum beschreibt in der Ausstellung „Faszination und Gewalt“ die schrecklichste Epoche deutscher Geschichte vom Aufstieg der NSDAP bis zu den Nürnberger Prozessen nach Ende des Krieges.
Bedrückend das gezeigte Filmmaterial mit den Hitler zujubelnden Massen. Jeweils bis zu zwei Millionen Deutsche waren Teilnehmer an diesen Inszenierungen der Macht.
Darunter viele unserer Väter und Großväter – Bürger im Land der Dichter und Denker.
Da fragt man sich schon, ob eine solche Manipulation der Massen irgendwann wiederholbar wäre? Hier nein zu sagen fällt mir schwer – ich weiß es nicht.
Aber verhindern können wir es nur, indem wir unsere Kinder und Enkel mit diesem Teil deutscher Geschichte, den Mechanismen von Macht und Größenwahn, aber auch den Orten der Opfer und Täter konfrontieren.
Dieser Ort der Täter, das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, zu besuchen, sollte jede Schule in Deutschland auf ihre Agenda setzen.
Die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte darf niemals enden.
