Dresden. Die Kommunal-Wahlen in Sachsen sind für die SPD zum Desaster geworden. Die Sozialdemokraten verloren am Sonntag nicht nur ihre einzigen Landratsposten an die CDU. Auch in zwei prominenten Rathäusern müssen SPD-Bürgermeister ihre Sessel räumen. In Zwickau gelang immerhin mehr als nur ein Achtungserfolg: Die bisherige Sozial- und Kulturbürgermeisterin Pia Findeiß wird Nummer eins und tritt am 1. August die Nachfolge von Dietmar Vettermann an. Vettermann war Ende Januar aus Protest gegen den Verlust der Kreisfreiheit aus der CDU ausgetreten. Erfreulich aus Sicht der Sozialdemokraten auch das Ergebnis im vogtländischen Auerbach: Manfred Deckert, Gesamtsieger der 1982er Vierschanzentournee hat sich im zweiten Wahlgang mit 59 Prozent klar gegenüber den anderen Bewerbern durchgesetzt.
Bittere Niederlagen musste die SPD in Döbeln und Freiberg hinnehmen. Die bisherigen Amtsinhaber Axel Buschmann und Uta Rentsch wurden ihre Posten los. In Döbeln regiert künftig Hans-Joachim Egerer von der CDU und in Freiberg Bernd-Erwin Schramm (parteilos).
Die bisherige Amtsinhaberin im Leipziger Land, Petra Köpping, habe am Sonntag im künftigen Landkreis Leipzig in einem Wahlkampf verloren, «in dem es nicht ums Parteibuch und auch nicht um Personen, sondern nur um regionale )Befindlichkeiten ging», sagte Jurk am Montag in Dresden. Mehr als 75 Prozent Zustimmung in Köppings bisherigem Landkreis-Leipziger Land belegten, dass sie in den vergangenen sieben Jahren hervorragende Arbeit geleistet habe.
Linke-Chefin Cornelia Ernst äußerte sich enttäuscht darüber, dass im Landkreis Nordsachsen die schon vor zwei Wochen drittplatzierte SPD-Bewerberin Liane Deicke (19,8 Prozent) nicht zugunsten des Linke-Politikers Thomas Kind (34,5 Prozent) auf eine erneute Kandidatur verzichtete. Die örtliche SPD habe sich «damit leider wieder als Steigbügelhalter der CDU angebiedert». Deren Kandidat Michael Czupalla blieb mit 45,7 Prozent als einziger der zehn neuen Landräte unter der Fünfzig-Prozent-Marke. Deicke wies den Vorwurf von Ernst zurück: «Die Wähler lassen sich nicht einfach so verschieben wie auf einem Abakus.» Ihr Antritt sei nicht wahlentscheidend gewesen. Es habe auch Wähler gegeben, für die weder Czupalla noch Kind eine Alternative gewesen wären.
Bei der Wahl um den Oberbürgermeisterposten im Dresdner Rathaus spielte die SPD ohnehin keine )Rolle mehr, nach dem Peter Lames bereits nach dem ersten Wahlgang am 8. Juni seine Kandidatur zu Gunsten von Klaus Sühl von den Linken zurückgezogen hatte. Doch auch der hatte gegen Sachsens Sozialministerin Helma Orosz (CDU) keine Chance. Die 55-Jährige eroberte das Rathaus für die CDU zurück. Der bisherige Amtsinhaber Ingolf Roßberg (FDP) war nicht wieder angetreten. FDP-Kandidat Dirk Hilbert hatte nach der ersten Wahl vor zwei Wochen zurückgezogen und seine Wähler zur Unterstützung von Orosz aufgerufen. Inzwischen spricht man bei der FPD schon vom Dresdner Modell. Und Sachsen-Chef Holger Zastrow träumt sogar davon die SPD bei der nächsten Landtagswahl zu überflügeln und von einer schwarz-gelben Koalition auf Landesebene. (mit ddp)


