Mittweida. Bürgermeister Matthias Damm (CDU) lässt keine Gelegenheit aus, um für seine Stadt zu kämpfen. Den Beweis lieferte er gestern Abend bei einere Wahlkampfveranstaltung der SPD. Sachsens Wirtschaftsminister und SPD-Chef Thomas Jurk war eigens aus der Landeshauptstadt angereist um Bürgermeisterkandidatin Gabriela Weinhold und Landratskandidatin Simone Violka unter die Arme zu greifen. Gerade mal rund 20 Interessierte hatten sich in die Gaststätte am Schwanenteich verirrt. Die meisten davon SPD nah oder von berufswegen politisch interessiert. Nicht einmal die Lokalredaktion der "Freien Presse" hielt es für nötig, den Termin zu besetzen.
Wahlkampf im stillen Kämmerlein. Und dann auch noch dieser Damm. Da verschlug es Herausforderin Gabriela Weinhold dermaßen die Sprache, dass sie den Bürgermeister bei der Begrüßung nicht einmal erwähnte. Reichlich Arbeit für einen potentiellen Protokollchef. Schließlich dürfen ihr bei einem Sieg als erste Bürgermeisterin solche Fehler nicht passieren. 100 Tage Schonfrist hin oder her.
Obwohl es an diesem Abend in erster Linie um den Wirtschaftsstandort Mittweida gehen sollte, wurde fast ausschließlich über andere Themen geredet. Simone Violka versuchte den Spagat, in dem sie darauf hinwies, dass eine gute Bildung Grundlage für eine funktionierende Wirtschaft sei. Deshalb wolle sie als Landrätin alles für mehr Chancengleichheit und eine bessere Schulbildung tun. Gleichzeitig forderte sie mehr Engagement von den Eltern. "Vorlesen hat mit Geld nichts zu tun. Eine Geschichte kann jeder vorlesen"", sagte Violka, die gleichzeitig für die SPD im Bundestag sitzt.
)Sturm 34 war für die beiden SPD-Frauen und den Minister kein Thema. Mit keiner Silbe gingen sie auf das ein, was die Menschen in Mittweida über Monate beschäftigt hat. Kein Wort über den Prozess in Dresden, kein Wort darüber, dass offenbar Mitglieder der verbotenen Neonazi-Kameradschaft nach wie vor aktiv sind. Erst auf Nachfrage der "Sachsen Zeit" zeigte vor allem Gabriela Weinhold, dass sie sich nicht nur intensiv mit der Problematik beschäftigt hat, sondern auch klare Vorstellungen von dem hat, wie sie mit dem Thema umgehen will. Ein Klima der Zivilcourage schaffen, sei genauso wichtig, wie denjenigen jungen Leuten eine Perspektive zu bieten, die noch nicht die Grenze zur Gewalt überschritten hätten. Ausgerechnet Thomas Jurk (Foto) nahm aber seinen Ministerkollegen Albrecht Buttolo (CDU) für den desaströsen Umgang mit den braunen Kameraden in Schutz. Jurk tat so als habe sein Kabinettskollege die Lage im Griff. Dass dieser bis heute zu den bestehenden Verbindungen zwischen NPD und der Kameradschaft schweigt, schien den SPD-Chef nicht zu kümmern. Wenigstens genauso peinlich wie die Aussage des Ministers, war die Feststellung des Rektors der Hochschule Mittweida, Lotha Otto, dass erst die Medien Mittweida in verruf gebracht hätten. "Für positives interessieren die sich nicht." Stimmt. Offenbar hat der Professor an dessen Einrichtung immerhin ein nicht unbedeutender Fachbereich Medien existiert einen der Kernsätze vergessen: "Only bad news are good news." Der frühere Landtagsabgeordnete Alfred Förster konnte immerhin mit einer klugen Empfehlung aufwarten: Am besten am Sonntag wählen gehen und mit dem Kreuz an der richtigen Stelle zeigen, dass die Rechtsextremen in Mittweida keine Chance haben.
Doch zurück zu Damm. Matthias Damm nutzte den gestrigen Abend dazu dem Minister ein Schreiben zu überreichen, damit sich dieser für den Ausbau einer Straße einsetzt. Die werde dringen für den Tag der Sachsen im nächsten Jahr benötigt. Und da wird der CDU-Politiker Damm aller Voraussicht nach noch Stadtoberhaupt sein.

